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EM hautnah #6: Schwethelm lüftet im Interview das Geheimnis der Spickzettel

Das war leider nix: Am dritten EM-Spieltag hat die deutsche Nationalmannschaft ihre erste Partie verloren, und zwar mit 65:76 gegen Tony Parkers Franzosen. Trotzdem stand uns Philipp Schwethelm für ein ausführliches Interview zur Verfügung, wofür wir uns bei Philipp ganz herzlich bedanken! In Part eins spricht er über die Gründe der ersten Turnier-Niederlage, die Geheimnisse des „Scouting Reports“ und den herbeigesehnten Ruhetag. Part zwei des Interviews folgt morgen.

Von Marcel Friederich

Hi Philipp, in der ersten Hälfte sah es über weite Strecken richtig gut aus. Doch was ist dann in der zweiten Halbzeit passiert?

Schwethelm: Es fing schon zum Ende der ersten Halbzeit an, dass wir uns in der Offense nicht mehr gut bewegt haben. Dadurch haben wir keine guten Würfe mehr bekommen. Und in der Verteidigung haben wir es nicht geschafft, Tony Parker in den Griff zu kriegen. Ich glaube, diese beiden Faktoren haben uns am meisten weh getan.

Parker war mit 32 Punkten und sechs Assists der überragende Mann auf dem Feld. Kannst du uns erklären, warum es so schwierig ist, ihn zu kontrollieren?

Er ist unglaublich schnell und weiß einfach, wie man unter dem Korb finishen muss. Auch in der NBA erzielt er die meisten Punkte in der Zone, obwohl es dort so viele große und gute Spieler gibt. Und wenn er dann noch die Pfiffe so bekommt, wie er sie heute bekommen hat, dann ist er ganz schwer zu stoppen.


Glaubst du, dass bei euch jungen Spielern doch noch ein bisschen zu viel Respekt dabei war, gegen solche NBA-Stars anzutreten?

Nein, das würde ich jetzt nicht unbedingt sagen. Ich denke eher, wenn man gegen so große Namen spielt, gibt das einen Extraschub an Energie und Motivation. Von daher glaube ich nicht, dass es damit etwas zu tun hat. Entscheidend war, dass uns die Sachen, die wir in den letzten beiden Spielen sehr gut gemacht haben, heute leider nicht gelungen sind. Und zwar intensiv verteidigen und vorne als Mannschaft spielen, um gute Würfe zu kreieren.

Welche positiven Aspekte könnt ihr aus dieser Partie mitnehmen?

Ich glaube, wir waren schon mit 20 Punkten hinten und hätten auch mit 30 verlieren können. Doch am Ende waren es nur elf Punkte Abstand, insofern war es doch gar nicht so deutlich. Wir haben den Kopf nicht hängen lassen. Das ist das Positive, was wir aus dieser Partie mitnehmen können. Außerdem muss man bedenken, dass diese Niederlage kein Beinbruch ist. Wir haben jetzt noch zwei weitere Spiele zu spielen, und wenn wir diese gewinnen sollten, sieht es richtig gut aus.

Dabei hat die kommende Partie am Sonntag gegen Serbien eine besonders hohe Bedeutung, oder?

Ja, auf jeden Fall, weil dieses Spiel wahrscheinlich in die Zwischenrunde mitgenommen wird. Wir müssen heute unseren freien Tag nutzen, um uns gut zu erholen und dann gegen die Serben die nächsten Punkte holen.

Euer Spiel gegen die Franzosen lief von 21 bis 23 Uhr Ortszeit. Das ist doch äußerst spät, zumal ihr danach auch noch mal zum Physio geht und Abendessen bekommt…

Oh ja, ich muss zugeben, das ist wirklich ein Problem. Generell ist es sehr schwer, nach Spielen einzuschlafen, weil einem so viel durch den Kopf geht. Und wenn die Spiele mit so viel Adrenalin umher gehen, wie das auch gestern der Fall war, dann ist es extrem schwierig abzuschalten. Als Sportler lernt man aber im Laufe der Zeit, mit dieser Situation umzugehen. Bei mir dauert es meistens so bis um zwei Uhr nachts, ehe ich im Bett liege und so müde bin, dass ich nicht mehr über das Spiel nachdenke.

Um wie viel Uhr stehst du morgens dann auf?

Praktisch ist, dass wir relativ spät Training haben (meistens um elf oder zwölf Uhr, Red.). Von daher kann ich um zehn Uhr aufstehen und komme am Ende doch auf meine acht Stunden Schlaf.

Während einem solchen Turnier müsst ihr euch jeden Tag auf einen neuen Gegner fokussieren. Wie schwierig ist diese Aufgabe – nicht nur für den Körper, sondern vor allem auch für den Kopf?

Für mich ist es kein so großes Problem, sich vom Kopf her jeden Tag auf einen neuen Gegner vorzubereiten. Die meisten Nationalspieler, die hier mit dabei sind, haben nämlich schon bei der U16 oder U18 solche Turniere miterlebt. Das ist auch bei mir der Fall. Dadurch lernt man, mit dieser Situation umzugehen. Wenn man ein Spiel gespielt hat, versucht man am Abend noch, mit diesem Spiel endgültig abzuschließen und es nicht mit in den Schlaf zu nehmen – auch wenn das manchmal nicht so einfach ist. Und am nächsten Tag geht dann die intensive Vorbereitung auf den nächsten Gegner los.

Dazu habt ihr ja immer gute „Spickzettel“, oder?

Ganz genau. Wir bekommen an jedem Spieltag einen Scouting Report, in dem die Stärken und Schwächen des Gegners zusammen gefasst sind.

Wie viele Seiten sind das?

Meistens sind es so fünf Seiten. Das ist ein bisschen kürzer als das, was man ansonsten im Verein bekommt. Denn in der Bundesliga hat man ja meist eine ganze Woche lang Zeit, um sich auf den nächsten Gegner vorzubereiten. Da lernt man zusätzlich auch alle Spielsysteme des Gegners auswendig. Insgesamt sind das meist zehn bis 15 Seiten.

Für eine solch intensive Vorbereitung bleibt hier aber nicht die Zeit…

Ja genau, hier sprechen wir über die ein, zwei wichtigsten Spielsysteme des Gegners. Und besonders wichtig ist es natürlich, die Stärken und Schwächen seiner Gegenspieler zu kennen, um daraus unseren Vorteil zu ziehen.

Nach drei Partien innerhalb von drei Tagen habt ihr heute spielfrei. Wie wichtig ist das für euch?

Dieser freie Tag heute ist absolut Gold wert. Es wäre nicht schlecht gewesen, wenn wir diesen freien Tag schon gestern gehabt hätten (schmunzelt). Letztendlich ist es zwar für alle Teams die selbe Situation. Aber drei Spiele am Stück, das war schon ein ganz harter Brocken.


Teil 2 des Interviews folgt am morgigen Sonntag…

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Eine Antwort zu "EM hautnah #6: Schwethelm lüftet im Interview das Geheimnis der Spickzettel"

  1. [...] Es ist vermutlich das erste internationale Turnier, bei der die Schwemme an digitalen Informationen maßgeblich von offizieller Seite befeuert wird. Vor zwei Jahren war dies noch anders. Zudem gibt es eine kaum zu überblickende Masse an Interviews und Fragestunden mit Nationalspielern (Heiko bei ALBA, Kaman in der Five, Schwethelm bei Parkettgeschichten u.v.m.). [...]