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Der neunte Planet – Parkettgeflüster mit Kai Hügelschäffer vom baller`s planet
Das Reich der Basketballverrückten kennt wie die Systematik der Tiere viele Abteilungen, Unterabteilungen, Stämme und Klassen. Da gibt es die Spieler, die Trainer, die Manager, die Schiedsrichter, die Fans und viele andere basketballmanische Menschen. Und es gibt da noch jemanden. Einer, der in seinem kleinen gallischen Dorf, in der Altstadt im unterfränkischen Würzburg, das Herz und den Puls sämtlicher Korbjäger höher schlagen lässt: Kai Hügelschäffer vom baller’s planet. Nicht nur, dass er einen der wenigen reinen Basketballläden in den weiten dieser Republik betreibt, nein, er ist auch noch Gründungsmitglied der Würzburg Youngstars, dem Fanclub der Baskets Würzburg. Wie etlichen anderen Basketballern auch, hat ihn sein sportliches Talent nie über die Basketball-Bezirksgrenzen hinweg getragen. Bezirksliga Würzburg. Das war’s. Aber, seien wir doch mal ehrlich, warum auch Dingen nachrennen, die andere viel besser beherrschen als man selbst. Aber trotz limitierter Basketball-Skills und beruflicher Herausforderungen in der Automobilbranche, blieb er dem orangenen Leder bis heute verbunden.
Kann es für einen waschechten Fan wirklich Schlimmeres geben als ein Abstieg des Lieblingsvereins mit zu erleben? Ja, kann es. Leider. Nämlich zwei Abstiege in Folge. Dem ersten Tiefschlag im Jahre 2005, folgt in der darauf folgenden Spielzeit (2005/2006) die nächste Ohnmacht. Und zwar der sang- und klanglose Abstieg des USC Mainfranken aus der 2. Bundesliga. Die Leidensfähigkeit der Fans wurde neuerlich auf eine mehr als harte Probe gestellt. Gelang der Equipe doch gerade mal ein einziger Sieg während der kompletten Saison. Welche Charaktereigenschaften muss ein Fan besitzen, der trotz schmerzhafter Nackenschläge immer wieder aufsteht? Sich in die Halle begibt. Den Spielern auf die Schulter klopft. Die Fahne hochhält. Oder besser gesagt, zu seinem Club steht?
„Ich war schon immer ein Mensch, der Dinge konsequent durchzieht. Der zu einer, zu seiner Sache steht. Der loyal und treu ist“, so der Inhaber von baller’s planet, der weiter ausführt: “Natürlich gab es auch Momente, in denen du nachdenkst. Du ins Grübeln kommst. Dich fragst, warum du dir das alles, verdammt nochmal, antust. Aber dann denkst du auch ganz schnell wieder an all dein Herzblut, das du investiert hast. Und an die viele Zeit. Die Energie. Die privaten Opfer. Das gemeinsame Wachsen mit dem Verein und den Fans. Und die schönen, unvergesslichen und emotionalen Momente, die du niemals vergisst.“ Die Treue des Hundebesitzers sollte sich für ihn und seine Fanclub-Mitglieder und –Verantwortlichen noch auszahlen. Dem sportlichen Schatten folgte der Sonnenaufgang über Würzburg:
Neugründung der Würzburg Baskets im Frühjahr 2007. 3. Platz in der Regionalliga Südost. Die Spiele werden von knapp 1.300 Zuschauern verfolgt. In der nächsten Spielzeit erfolgt der direkte Durchmarsch der Universitätsstädter in die ProB. Zuschauerschnitt: circa 2.000. In der vorletzten Saison verpassten die Mannen aus dem Unterfränkischen nur knapp den Aufstieg in Deutschlands zweithöchste Spielklasse – die ProA. Spectators in der s.Oliver-Arena - um die 2.500. Dem sportlichen Nichtaufstieg folgte jedoch das Nachrücken in die Pro A durch die Hintertür, da der Vizemeister, die Hertener Löwen, Teile der von der ProA geforderten Auflagen nicht erfüllen konnten. Auch die folgende Spielzeit in der ProA bildete für die Korbjäger vom Main lediglich eine Durchgangsstation auf dem Weg zum ersehnten Ziel: die Rückkehr in die Basketball-Bundesliga. Ein sportlicher Höhepunkt, der mit viel Emotionen und Herzblut 2011 realisiert wurde. Die s. Oliver Baskets Würzburg zurück in der Beletage des deutschen Basketballs.
Dem Aufstieg der Baskets schloss sich der berufliche Ausstieg Kais, aus seinem bisherigen Berufsleben in 2009, an. Neues Terrain. Neue Herausforderungen. Risiken eingehen. Das gegen die berufliche Freiheit eintauschen. Und wie konnte es anders sein, als das eigene Unternehmen mit der privaten Leidenschaft zu verknüpfen – dem Basketball. Das Hobby, die persönliche Motivation und die Passion zum Beruf machen. Verantwortung übernehmen. Die Selbstständigkeit - und zwar mit einem reinen Basketball Laden: dem baller’s planet.
Basketball von morgens bis abends. Schuhe, Bälle, Eintrittskarten, Fan-Artikel, Bandagen, Trikots, Beratung, Anrufe entgegennehmen, Anrufe tätigen, die neuesten Gerüchte hören, Basketballer kennen lernen, Vertreter und Vereinsverantwortliche treffen und sich mit ihnen besprechen, Preise kalkulieren, Angebote schreiben, Bestellung losschicken und so weiter und so fort. Ein Leben rund um das orangene Leder. Ein Wirken auf seinem Planeten. Dem baller’s planet in der Würzburger Altstadt. Ein Ort, an dem jeder Basketballer willkommen ist. Auch wenn dieser schon 70 Jahre alt ist und sich die Lebron James 7 kauft.
„Genau das sind die Momente, für die es sich jeden Morgen aufs Neue lohnt, den Laden aufzuschließen“, so Kai, der auch keine wirklich schlechten Kunden kennt: „In meinen Laden kommen hauptsächlich Basketballer, mit denen ich immer ins Gespräch komme. Von daher gibt es schöne Augenblicke, Momente und Gespräche. Es ist toll, wenn ich einen kleine Beitrag zur basketballerischen Zielerreichung meiner Kunden leisten kann.“ Besuch bekommt der waschechte Würzburger, der inzwischen auch die Abteilungsleiterposition bei den Basketballern des SC Heuchelhof inne hat, auch von den Spielern seines Lieblingsvereins. Dem Verein schlechthin. Kais Verein: die s. Oliver Baskets Würzburg. Das Team, das er - bis zur letzten Saison - von „seinem Balkon“ in der s.Oliver-Arena aus verfolgte. Inzwischen hat er seinen „Hallen-Firmensitz“ aus geschäftspolitischen Gründen vom ersten Stock ins Parterre verlegt.
Auf seinem Balkon fühlte sich der 33-Jährige schon ab und an mal wie Waldorf und Statler von der Muppet Show. Aber natürlich niemals so gehässig und böse wie die zwei Stoffpuppen. In guten wie in schlechten Zeiten ist er vor Ort. Sein Verkaufstand ist sein kleines Reich in den Gefilden der Würzburger Spielstätte. Sein zweites Zuhause. Oder doch sein Erstwohnsitz? Kais Oase. Wo sich Fans und Zuschauer ein Stelldichein geben. Sich getroffen wird. Gesprochen und gelästert wird. Geflucht und gejubelt. Trikots und andere Devotionalien käuflich erworben werden. - Nur das Einlaufen der Teams konnte er bis zur letzten Spielzeit nicht so gut verfolgen, da zum Verdunkeln der Halle die Vorhänge im Foyer zugezogen werden. Sollte in der letzten ProA-Saison doch mal ein Lichtstrahl von draußen ins weite Rund der Arena zu Würzburg gefallen sein, mag es vielleicht Kai gewesen sein, der gerade durch einen kleinen Vorhangspalt in die Halle kiebitzte.
Kais emotionalste Basketball-Momente:
- Aufstieg der DJK Würzburg in die BBL im Jahre 1998 gegen Freiburg
- Auswärtssieg der Würzburger bei ALBA Berlin mit zwei Punkten Vorsprung am 5. Dezember 1998
- Heimsieg in letzte Sekunde im Pokalviertelfinal 2004/2005 gegen Bamberg – Dubravko Zemljic netzt einen Buzzerbeater von der Dreierlinie ein
- Flaschenwurf eines Fans gegen einen Schiedsrichter in einer Heimpartie gegen die Skyliners aus Frankfurt
Text: Martin Schenk
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